Aktuelle Praxistipps 07/2012

Betriebsprüfungen – Richtiges Verhalten
Die Betriebsprüfung ist ein Schrecken für Unternehmen. Bei der so genannten Außenprüfung, die vor Ort, also in den Betrieben stattfindet, werden Ihre "Bücher" auf Herz und Nieren geprüft. Die Betriebsprüfung ist in der Abgabenordnung (§§ 193 ff.) geregelt. Auch Teilprüfungen sind möglich (Umsatzsteuer, Lohnsteuer).

Häufigkeit von Betriebsprüfungen
Betriebsprüfungen erfolgen auch unregelmäßig, z. B. wenn das Finanzamt konkrete Anhaltspunkte hat. Großbetriebe sollten lückenlos geprüft werden, Mittelbetriebe durchschnittlich alle 11 Jahre, Kleinbetriebe alle 21 Jahre und Kleinstbetriebe alle 53 Jahre.

Anmeldung der Betriebsprüfung
Die Prüfungsanordnung (PAO) muss rechtzeitig vor Beginn der Prüfung bei Ihnen eintreffen: vier Wochen bei großen Unternehmen und etwa zwei Wochen bei mittleren und kleinen Unternehmen. Die PAO muss die zu prüfenden Steuerarten, die Prüfungszeiträume, Name und Amts- oder Dienstbezeichnung des Betriebsprüfers, Rechtsgrundlagen der Prüfung sowie den voraussichtlichen Beginn enthalten. Sofort nach Erhalt der PAO informieren Sie Ihren Steuerberater über die Prüfung. Wenn Ihnen der Zeitpunkt nicht gelegen kommt, können Sie mit einer triftigen Begründung eine Verschiebung beantragen. Eine kurzfristige Verschiebung kommt grundsätzlich nur bei Krankheit des Unternehmers, der Auskunftsperson oder Betriebsprüfers in Frage.

Der Prüfungsablauf
Bis zum Termin sollten Sie für Ordnung sorgen. Zunächst muss der Prüfer Ihre Buchführung und Unterlagen akzeptieren. Weist Ihre Rechnungslegung Mängel auf, kann der Prüfer sie verwerfen und Ihre Gewinne schätzen. Haben Sie die formale Hürde geschafft, werden einzelne Geschäftsvorfälle geprüft. Beliebt sind: Reise- und Bewirtungskosten, Bareinnahmen (vor allem im Gastgewerbe), Geschäftswagen. Fehlende Belege gefährden den Abzug als Betriebsausgabe. Alle Ausgaben müssen Sie zwar glaubhaft machen, aber nicht beweisen. Die Aufbewahrungspflicht für Belege beträgt zehn Jahre. Entfernen Sie alle unnötigen Aktenvermerke und Notizen und informieren Sie einen Stellvertreter und weitere Mitarbeiter über die anstehende Prüfung. Bei Erscheinen des Prüfers sollten Sie sich möglichst kooperativ zeigen. Am Ende der Prüfung gibt es das Abschlussgespräch und den Prüfbericht.

Selbstanzeige
Bereits bei Bekanntgabe der PAO haben Sie keine Möglichkeit mehr, sich nach § 371 Abgabenordnung selbst beim Finanzamt anzuzeigen, um den Folgen einer möglichen Steuerhinterziehung zu entgehen. Ab jetzt kann auch Ihr Steuerbescheid geändert werden, wenn der Betriebsprüfer in Ihren Unterlagen etwas findet. Das kann natürlich auch zu Ihren Ungunsten geschehen, dann droht Nachzahlung und Verzinsung.

Software IDEA
Das Finanzamt rüstet im digitalen Zeitalter auf. Eingesetzt wird eine leistungsfähige Software, die Plausibilitätstests im Branchenvergleich ermöglicht und Manipulationen schnell aufdeckt.